Und wenn wirklich mein Leben nicht das richtige gewesen ist?Romanfigur Iwan Iljitsch am Ende seines Lebens

Das System Familie

Destruktive Verhaltensmuster, Krankheiten und selbst berufliche Schicksale haben oft ihren Ursprung im Familiensystem.

Die Grunddynamiken innerhalb von Familien gründen sich auf Loyalität und lauten:

  • Ich folge dir nach!  
    Nachfolge: Eine Person ahmt ein Schicksal nach oder folgt Jemandem in den Tod oder die Krankheit.
  • Lieber ich als du!
    Selbstopferung: Eine Person denkt unbewusst, dass sie durch ihre Opferung einen anderen retten kann oder macht diesem Platz.
  • Ich bin dir treu!
    Nachahmung: Eine Person wird Jemandem ähnlich, um "mitzutragen" und das Leid zu verringern.

Diese drei Dynamiken äußern sich in der Folge sehr komplex. So kann es sein, dass die Großmutter ein Kriegstrauma nicht aufgearbeitet hat und die Enkelin aus Verbundenheit deren Schicksal nachahmt. Sie "trägt" dann mit. Eine Krankheit kann eine nicht geahndete Schuld stellvertreten oder die Beziehung zu den Eltern ersetzen. Ein junger Mann kann mitunter auch die Depression des Urgroßvaters übernehmen und mitleiden, da er unbewusst der kruden Gleichung "geteiltes Leid ist halbes Leid" obliegt. Frauen identifizieren sich im System meist mit weiblichen Personen, Männer mit männlichen. Ausnahmen bestehen, wenn die Nachkommen einer Familie einem Geschlecht angehören.

Kinder machen sich in Familien manchmal "groß", während Eltern "klein" wirken können. Dies ist dann der Fall, wenn die Kinder früh Verantwortung übernehmen mussten oder sie die Elternteile als schwach empfinden und abwerten. Dies führt jedoch zu Problemen, da es innerhalb von Familien eine bestimmte Rangordnung gibt, die damit durcheinandergerät.

Diese Dynamiken sind durch Analysieren und Nachdenken nicht zu entschlüsseln. In einer Aufstellung wird einem inneren, überwiegend unbewussten Bild Raum gegeben. Dabei werden die relevanten Personen und Objekte intiuitiv vom Aufsteller zueinander positioniert. Die Verstrickungen zwischen den Personen oder Objekten sind nun spür- und sichtbar. Dabei findet eine Entidentifizierung statt, da man aus der Beobachterperspektive handelt und - neben den eigenen Empfindungen - in der Lage ist, auch die der Anderen wahrzunehmen.

Es ist nicht zwingend notwendig, das Familiensystem zu befragen, wenn es um die Lösung bestimmter Muster geht. Auch der gegenwärtige Moment bietet einen Zugang zu den heilenden Energien. So können wir im Krankheitsfall eine Symptomaufstellung in Betracht ziehen, die das Verhältnis von Aufsteller und Symptom thematisiert und mögliche Identifikationen zu anderen Familienmitgliedern offenbart. Die hier gewonnen Erkenntnisse können den Heilprozess erfahrungsgemäß begünstigen.

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